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2007:

"les Rituels barbares"

Eine Koproduktion Collectif barbare / Schlachthaus Theater Bern / Theater Tuchlaube Aarau / Rote Fabrik in Zürich

Ein Musiktheater, das auf dem Verbrechen der Papin-Schwestern basiert.

Mit: Claire Valat, Astride Schlaefli
Idee, Konzept, Richtung: Astride Schlaefli
Produktion: Michael Röhrenbach

Der Mord der Schwestern Papin findet in einer Zeit statt, als Hausangestellte nur in Bezug auf ihre Brauchbarkeit betrachtet wurden. Meistens wurden die jungen Frauen in Klöstern erzogen, zu perfekten Hausmeisterinnen oder Haushaltangestellten geformt. Die Erziehung, sowie die spätere Arbeit zum Wohle der Herrschaft, fand in völliger Abgeschlossenheit gegenüber der Umwelt statt. Lebensgewohnheiten, Rituale und sich wiederholende alltägliche Verrichtungen bestimmen den Tagesablauf und verweigern dem eigenen Leben jeglichen Sinn. Die Verbindung zur Realität reisst ab, der Geist gerät auf Abwege und eine innere Leere entsteht. Das Gehirn kommt dem Sinn hinter den Handlungen und den Worten nicht mehr nach. Ohne sich dessen bewusst zu sein, beginnt das Gleiten ins Nichts. Der Boden für das Schlimmste wird bereitet.








Die Geschwister Papin

Am 2. Februar 1930 entdeckt die Polizei in einem bürgerlichen Haus in Le Mans die Leichen von Frau Lancelin und deren Tochter. Ihre Körper sind fürchterlich verstümmelt, die Augen aus den Höhlen herausgerissen.

In der 2. Etage befinden sich im Bett, eng aneinander geschmiegt, die beiden Hausangestellten. Sie gestehen unumwunden den Doppelmord an ihrer Herrschaft, welche sie als völlig korrekt bezeichnen, nichts sei ihnen anzukreiden gewesen.

Die Schuldigen sind identifiziert, ihre Geständnisse ohne Zweifel, die Tatwaffen, eindeutig sichergestellt, liegen vor. Ein klarer Fall, die Akten werden geschlossen.

Die Ermittlung erklärt Christine Papin verantwortlich für den Doppelmord, ihre Schwester Léa wird wegen Beihilfe verurteilt. Zu jener Zeit stellen sich nur ein paar wenige Intellektuelle wie Jean Genet oder Simone de Beauvoir die Frage, was die Beweggründe gewesen sein mochten, die die Schwestern zur ihrer Mordtat veranlassten. Dann Schweigen.

1937 stirbt Christine Papin in einer psychiatrischen Anstalt an einer schweren seelischen Krankheit, die während des Prozesses geflissentlich vertuscht wurde. Léa Papin, die zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war, wurde 1943 aus der Haft entlassen. Danach lebte sie unter ihrem Namen in der Nähe von Le Mans und arbeitete als Kindermädchen. Sie starb im Jahre 2001.