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2008: "les enfants de Barbarie" Eine Koproduktion Collectif barbare / Theater Tuchlaube / Tojo Theater Bern

Von 1926 bis 1972 hat das Hilfswerk „Kinder der Landstrasse“ mindestens 2000 Kinder von Schweizer Fahrenden von ihren Familien getrennt und sie in Waisenhäusern, Erziehungsanstalten und psychiatrischen Kliniken untergebracht. Der anders gelebte Heimatbegriff der Fahrenden wurde als Bedrohung empfunden, sie galten als unfähig, Kinder zu erziehen und das Sorgerecht wurde ihnen entzogen.

„Les Enfants de Barbarie“ nimmt diese Affäre als Modell für eine geschlossene Wahrnehmung des Anderen, die zu Angst und Intoleranz, gefolgt von unmenschlichem Verhalten führt. Der Abend beginnt als Zirkus-Vorstellung, mit virtuosem Geigenspiel, hoher Akrobatik, und natürlich dem Clown. Die Szenen kippen in zunehmend unbequeme Lagen und tauchen ein in ein Universum von Erinnerungen, Visionen und Albträumen über zwei kulturelle Gegenwelten der Schweiz. Astride Schlaefli überzeugt mit ihrer interdisziplinären Herangehensweise an historische Stoffe. Mit musikalischen, bildnerischen und tänzerischen Mitteln schafft sie atmosphärisch dichte Kompositionen von magischer Ausstrahlung, die den historischen Stoff suggestiv fassbar machen.

Konzept, Regie: Astride Schlaefli

Mit: Anna Trauffer, Vera Kardos, Barbara Gasser, Andreas Thierstein, Jannine Hafner, Beratung: Jürg Kienberger

Trailer:



Bonus:


"Kinder der Landstrasse", ein sogenanntes Pro Juventute Hilfsprojekt

Von 1926 bis in die 70er Jahre wurden im Namen des Hilfswerks «Kinder der Landstrasse» über 2'000 Kinder von Fahrenden von ihren Eltern und Familien getrennt. Fahrende Eltern galten als unfähig Kinder zu erziehen und das Sorgerecht wurde ihnen entzogen.

Die Kinder wurden in Waisenhäuser oder Erziehungsanstalten gesteckt, in psychiatrische Anstalten eingewiesen oder in Gastfamilien untergebracht. So gerieten viele von ihnen an wenig zimperliche Leute, deren Vorurteile gegenüber Fahrenden eine schlechte Behandlung rechtfertigten. Sie wurden Mägde und Knechte auf Bauernhöfen, oder als billige Arbeitskräfte in Fabriken und im Dienstleistungsgewerbe ausgenutzt.

Initiant des Pro-Juventute-Hilfswerks war der Romanist Dr. Alfred Siegfried. «Kinder der Landstrasse« erfuhr finanzielle Unterstützung durch den Bund, die Kantone, durch Gemeinden und durch viele private Spender. Auch moralisch wurde das Projekt von einer breiten Öffentlichkeit getragen.

Die Urheber und Verantwortlichen des Hilfswerks «Kinder der Landstrasse» wurden nie zur Verantwortung gezogen.