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5 Performances / Interventionen des Collectif barbare im öffentlichen Raum aus dem Experimentierfeld der "Atteintes à la pudeur". 5 Aktionen, die das Verhältnis zwischen Passanten und öffentlichem Raum, zwischen Kunst und Zivilgesellschaft in Frage stellen und die sich durch die Mehrdeutigkeit ihrer Form, zwischen Inszenierung und Verzerrung der Alltagsrealität auszeichnen. Sie spielen mit der Dynamik des Ortes und den Verhaltenscodes, die er erzeugt, der Wahrnehmung der Zuschauer, dem Unerwarteten und der Anpassung, der Interaktion, der Dekontextualisierung und den Assoziationen.

Ein Treffpunkt ist auch ein Ort der Befragung. In flagranti stellt sich die Frage nach dem Platz der Kunst in der Zivilgesellschaft und nach dem Verhältnis zwischen einem öffentlichen Raum und denen, die ihn durchqueren. Es ist ein Ansatz, der Offenheit von Künstlern erfordert, die bereit sind, den Blick des Publikums und der Passanten, denen sie sich hingeben, auf sich zu nehmen und mit ihrer Wahrnehmung zu spielen.

Was definiert den öffentlichen Raum und welche Verhaltensmuster und -regeln induziert er? Was ist der Unterschied zwischen privatem und öffentlichem Verhalten? Und wo ist die Zone der Toleranz?

Das Spiel mit der Dynamik eines öffentlichen Raums induziert spezifische Mechanismen für diese Situation. Der Faktor des Unvorhergesehenen erfordert von den Teilnehmern eine schnelle und wirksame Anpassung und Reaktion auf die Menschen, mit denen sie konfrontiert sind, und auf den Raum, in dem sie sich befinden.

Termine: 27. Mai bis 25. September 2010
Veranstaltungsorte: Zentralplatz, Zentrum Coop Bahnhof Biel

1. Schubertiade:
2 Kontrabässe, 1 Violoncello, 1 Violine, 2 Flöten, 1 Schwyzerörgeli, 2 Bariton, 2 Klarinetten, 1 Trompete und 1 Klavier bringen das Prinzip der Schubertiade an seine Grenzen und realisieren es in einem offenen Raum, ausserhalb jedes Rahmens. Der Ort und seine Dynamik erfordern eine ständige Anpassung an die Situationen und die Akustik.



2. Sonate:
Strenge Komposition von Handlungen und Bewegungen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Jede Aktion und Bewegung der 15 teilnehmenden Darsteller wird genauestens komponiert. Das Repertoire der Aktionen und Bewegungen ist inspiriert von dem, was an diesem Ort natürlich passiert: Telefonieren, Einkaufstaschen tragen, ein Fahrrad schieben, auf den Bus warten, sich unterhalten usw. Aber dieses Repertoire wird durch Beschleunigung, Verlangsamung oder Wiederholung stilisiert; es geht sogar noch weiter, indem musikalische Formen wie die Fuge, der Kanon, Leitmotive, Themen und Variationen usw. verwendet werden. Zusätzlich zu diesem Repertoire führen einige Darsteller Gesten und Handlungen aus dem Privatleben und dem Raum aus: Socken sortieren und anprobieren, Wäsche waschen, Zähne putzen, etc.


3. Setting:
eine lebendige und ephemere Installation, inspiriert von den Filmaufnahmen von Mary Ellen Mark (*1940).

4. persona grata:

Ein Flötist unter den Salamis, Geiger zwischen den Kühltruhen...

Zwischen den Zeilen: Welchen Platz hat ein Kind, das kein Verbraucherkind ist, in einem Raum, der so viel in Marketingstrategien investiert, die darauf abzielen, es zu einem Verbraucher zu machen? Wie zielen Vermarkter auf Kinder ab? Und noch weiter, wie ist das Verhältnis zwischen Kultur und Profit? Ist Musik ein Konsumgut?



5. Sitcom:
Die letzte Episode von IN FLAGRANTE baut die Inszenierung unter Einbezug zweier Betrachtungsebenen auf: Einerseits die Darsteller, die sich, mit drahtlosen Mikrofonen ausgerüstet, mitten auf dem Zentralplatz unter den Passanten bewegen und agieren. Auf der anderen Seite die Zuschauer, beschallt von einer davor aufgestellten Lautsprecheranlage, und alle in die Richtung des Spektakels auf der anderen Strassenseite schauend.Die äussere Form der Performance ist zwar durch Sitcoms inspiriert (eingeblendete Werbung, Applaus, Jingles und Gelächter), konterkariert diese jedoch durch den thematische Inhalt und die situative Darreichung der Show an sich. Der gnadenlosen Tonspur ausgeliefert, versuchen die Interpreten mutig, dem Chaos der Passanten, des Verkehrs und der natürlichen Dynamik des Zentralplatzes paroli zu bieten und dabei ihre Rollen zu spielen.

Diese Episode dient als Pilotaufführung für den dritten Teil der Trilogie: Atteintes à la pudeur (2009), IN FLAGRANTE (2010), SITCOM (2011)